
Der Hirsch ist ein echter Patriarch. Wo er in seinem Revier auftaucht. bildet sich eine Gasse.
Selbstverständlich treten seine Artgenossen beiseite, lassen ihm die beste Nahrung und das Recht zur Brunft und Fortpflanzung.
Gelegentlich kommt es vor, dass der Herr des Waldes die Grenzen seines Reviers verteidigen muss, wenn ein juveniler Artgenosse, bar eines eigenen Reviers und entschlossen, nun ebenfalls aufzusteigen, seine Rechte bei den Damen und auf ein eigenes Territorium geltend zu machen, ihn herausfordert, indem er die Grenzen überschreitet, die der Platzhirsch unüberriechbar markiert hat. Der Kampf, der sich nun abspielt, ist ein Kampf unter Gentlemen und hätte von der Uno zertifiziert sein können: Ziel ist es, den Gegner zu besiegen, aber nicht, ihn zu verletzten oder gar zu töten. Vor allem gilt: Fair Play. Zunächst wird geröhrt – aus sicherer Distanz – und es kann sein, dass ein Kontrahent von der Stimmgewalt des anderen schon so beeindruckt ist, dass er sofort die Flucht ins Unterholz ergreift.
Das Regularium der weiteren Auseinandersetzung schreibt dann vor, dass nun der Parallelgang folgt: Bei dem gehen die Hirsche nebeneinander her, um ihre bloße Körpergröße aneinander messen sowie, vor allem, die Macht ihrer Geweihe. Auch im Anschluss an diese zweite Runde kommt es vor, dass einer der beiden der Vernunft den Vorzug gibt und sich verzieht.
Nur, wenn auch hier keiner klein beigibt, kommt es zum wirklichen Kampf, bei dem die Geweihe aufeinanderprallen und damit verhindern, dass ein direkter Todesstoß erfolgen kann. Auch in diesem Kampf gibt es faire Regeln, an die sich die Hirsche halten, auch wenn sie durch Regelverletzungen erhebliche Vorteile hätten. Eine offene Flanke wird nie unfair ausgenutzt. Keiner der Hirsche will eigentlich zum Äußersten gehen, denn das birgt zu viele Risiken: Auch wenn er nicht stirbt, so kann er doch verletzt werden und dauerhaft geschwächt sein für weitere Revierkämpfe. Am liebsten ist dem Hirsch der Kampf, den er gar nicht führen muss. Und auch der Verletzung und dem Tod zieht er es auf jeden Fall vor, klein beizugeben.
Sein Stolz ist ihm jedenfalls nicht im Wege. Und auch übertriebenen Heldenmut legt er nicht an den Tag, denn auch der wäre ökonomisch irrational. Im Grunde, so haben es Mathematiker errechnet, ist die Strategie des Hirschs langfristig dann optimal, wenn er sich nur in zehn Prozent der Fälle auf eine echte Eskalation einlässt.
Die "Kosten" für den Hirsch steigen jedoch mit zunehmender Revierenge und Überpopulation. Um überleben zu können, muss er mehr Kämpfe austragen, zu härteren Methoden greifen. Für Führungskräfte im Management stellt sich ständig die Frage, welche Kämpfe tatsächlich ausgefochten werden müssen bis zum bitteren Ende: Im Markt wie in der eigenen Organisation. Es kann ein hohes Maß an Rationalität haben, in einen Kampf, dessen Ende sehr ungewiss ist, nicht alle verfügbaren Ressourcen zu stecken. Hier bietet sich eine gemischte Strategie als Optimum an. Es ist nicht nötig, dass Menschen oder Organisationen den Beweis antreten, jeden Kampf bis zum Ende durchstehen zu können. Viel wichtiger ist, dass der Gegner sich nicht sicher sein kann, ob der Kampf aufgenommen und final geführt werden wird. Diese Unsicherheit reicht – wie das Geweih – um ihm Respekt abzufordern. Droht ein Konflikt, den beide Seiten so nicht gewollt haben, zu eskalieren, so wird es immer schwieriger, auszusteigen, doch genau das kann das einzig Vernünftige sein. Gerade eine Lage, in der keiner der Kontrahenten mehr viel zu gewinnen hat, kann es plötzlich möglich machen, sich zu verständigen. Gute Kommunikation ist eben alles.
Gelegentlich kommt es vor, dass der Herr des Waldes die Grenzen seines Reviers verteidigen muss, wenn ein juveniler Artgenosse, bar eines eigenen Reviers und entschlossen, nun ebenfalls aufzusteigen, seine Rechte bei den Damen und auf ein eigenes Territorium geltend zu machen, ihn herausfordert, indem er die Grenzen überschreitet, die der Platzhirsch unüberriechbar markiert hat. Der Kampf, der sich nun abspielt, ist ein Kampf unter Gentlemen und hätte von der Uno zertifiziert sein können: Ziel ist es, den Gegner zu besiegen, aber nicht, ihn zu verletzten oder gar zu töten. Vor allem gilt: Fair Play. Zunächst wird geröhrt – aus sicherer Distanz – und es kann sein, dass ein Kontrahent von der Stimmgewalt des anderen schon so beeindruckt ist, dass er sofort die Flucht ins Unterholz ergreift.
Das Regularium der weiteren Auseinandersetzung schreibt dann vor, dass nun der Parallelgang folgt: Bei dem gehen die Hirsche nebeneinander her, um ihre bloße Körpergröße aneinander messen sowie, vor allem, die Macht ihrer Geweihe. Auch im Anschluss an diese zweite Runde kommt es vor, dass einer der beiden der Vernunft den Vorzug gibt und sich verzieht.
Nur, wenn auch hier keiner klein beigibt, kommt es zum wirklichen Kampf, bei dem die Geweihe aufeinanderprallen und damit verhindern, dass ein direkter Todesstoß erfolgen kann. Auch in diesem Kampf gibt es faire Regeln, an die sich die Hirsche halten, auch wenn sie durch Regelverletzungen erhebliche Vorteile hätten. Eine offene Flanke wird nie unfair ausgenutzt. Keiner der Hirsche will eigentlich zum Äußersten gehen, denn das birgt zu viele Risiken: Auch wenn er nicht stirbt, so kann er doch verletzt werden und dauerhaft geschwächt sein für weitere Revierkämpfe. Am liebsten ist dem Hirsch der Kampf, den er gar nicht führen muss. Und auch der Verletzung und dem Tod zieht er es auf jeden Fall vor, klein beizugeben.
Sein Stolz ist ihm jedenfalls nicht im Wege. Und auch übertriebenen Heldenmut legt er nicht an den Tag, denn auch der wäre ökonomisch irrational. Im Grunde, so haben es Mathematiker errechnet, ist die Strategie des Hirschs langfristig dann optimal, wenn er sich nur in zehn Prozent der Fälle auf eine echte Eskalation einlässt.
Die "Kosten" für den Hirsch steigen jedoch mit zunehmender Revierenge und Überpopulation. Um überleben zu können, muss er mehr Kämpfe austragen, zu härteren Methoden greifen. Für Führungskräfte im Management stellt sich ständig die Frage, welche Kämpfe tatsächlich ausgefochten werden müssen bis zum bitteren Ende: Im Markt wie in der eigenen Organisation. Es kann ein hohes Maß an Rationalität haben, in einen Kampf, dessen Ende sehr ungewiss ist, nicht alle verfügbaren Ressourcen zu stecken. Hier bietet sich eine gemischte Strategie als Optimum an. Es ist nicht nötig, dass Menschen oder Organisationen den Beweis antreten, jeden Kampf bis zum Ende durchstehen zu können. Viel wichtiger ist, dass der Gegner sich nicht sicher sein kann, ob der Kampf aufgenommen und final geführt werden wird. Diese Unsicherheit reicht – wie das Geweih – um ihm Respekt abzufordern. Droht ein Konflikt, den beide Seiten so nicht gewollt haben, zu eskalieren, so wird es immer schwieriger, auszusteigen, doch genau das kann das einzig Vernünftige sein. Gerade eine Lage, in der keiner der Kontrahenten mehr viel zu gewinnen hat, kann es plötzlich möglich machen, sich zu verständigen. Gute Kommunikation ist eben alles.
